Besondere medizinische Behandlungsverfahren

Hier sind an unserer Klinik insbesondere Therapien von neuroimmunologischen Erkrankungen und Bewegungsstörungen von Bedeutung.

Als zertifizierte MS-Akutklinik bieten wir unseren Patienten das ganze Spektrum der anerkannten MS-Therapien. Hierbei behandeln wir leitliniengerecht und nach den Empfehlungen der MSTKG (Expertenkommision der deutschsprachigen MS-Gesellschaften), angefangen von der Schubtherapie mit intravenösem Kortison über sämtliche immunmodulatorische und immunsuppressive Verfahren zu Verlaufsbeeinflussung bis hin zur gezielten Therapie einzelner Symptome.

Besonders hervorzuheben sind folgende Behandlungsverfahren:

Immuntherapien Spezielle Therapieformen

Immunadsorption: „Blutwäsche“-Behandlung

Einsatz bei

  • MS-Schüben, die nicht auf Kortison ansprechen bzw. nicht mit Kortison behandelt werden können
  • myasthenen Krisen
  • akuten entzündlichen Neuropathien (GBS) Myasthenie und anderen Autoimmunerkrankungen

Immunmodulatoren: Beta-Interferone, Glatirameracetat, Fingolimod (Gilenya), Teriflunomid (Aubagio) und andere

Immunsuppressiva: Mitoxantron, Cyclophosphamid, Azathioprin und andere

Intravenöse Immunglobuline (IVIG)

Monoklonale Antikörper:

  • Natalizumab (Tysabri)
  • Rituximab (Mabthera)
  • Alemtuzumab (Lemtrada)
  • Ocrelizumab (Ocrevus)
  • Eculizumab ( Soliris)
Spezielle Therapieformen bei Spastik Botulinumtoxin

Botulinumtoxin:

  • Injektionen mit dem „Muskelgift“ Botulinumtoxin
  • besonders bei örtlich umschriebener Spastik erfolgreich
  • für diese Behandlungsform ist neben Chefarzt Dr. Frank Hoffmann auch Oberärztin Dr. Antje Neubert als qualifizierter Anwender zertifiziert
  • auch bei Dystonien erfolgreich (z. B. Torticollis, Blepharospasmus u. a.)

Triamzinolon intrathekal:

  • direkte Eingabe einer Kortisonlösung (Volon A) in die Rückenmarksflüssigkeit
  • unsere Klinik ist seit vielen Jahren erfahren in dieser Behandlungsform
  • v.a. bei durch Rückenmarksschädigungen bedingter Spastik der Beine hilfreich, z. B. bei Multipler Sklerose oder cervikaler Myelopathie

Baclofen intrathekal:

  • direkte Eingabe des Medikamentes Baclofen in das Nervenwasser
  • bei ausgeprägter Spastik
  • nach einer Testphase wird bei positivem Ansprechen eine Medikamentenpumpe unter die Haut implantiert. Diese Therapieform führen wir in enger Zusammenarbeit mit der Klinik für Orthopädie unseres Krankenhauses durch.

Intrathekale Infusionstherapie mit Baclofen

Die Behandlung mit intrathekalem Baclofen ist bei schwerer, chronischer Spastizität, z. B. infolge Multipler Sklerose, Schädel-Hirn-Trauma oder nach Verletzungen des Rückenmarks indiziert, die mit einer medikamentösen Standardtherapie nicht befriedigend behandelt werden kann. Die konservative (medikamntöse und krankengymnastische ) Standardtherapie sollte in ausreichender Weise oder Dosierung vorher ausgeschöpft worden sein (Übersicht bei Ochs 2004).

Mehrere doppelblinde, plazebokontrollierte Studien zur Objektivierung des Behandlungseffektes belegen die Effektivität der intrathekalen Baclofenapplikation (Penn et al. 1989,Albright et al. 1991, Loubser et al. 1991, Hugenholtz et al. 1992, Coffey et al. 1993, Sadiq u. Wang 2006). Zur Indikationsprüfung wird eine intrathekale Bolusinjektion von 25-100 Ug Baclofen zur Beurteilung der Wirkung und Verträglichkeit durchgeführt (unter kontinuierlicher Überwachung von Blutdruck und Atmung). In der Langzeittherapie nach Implantation einer Pumpe ist der Tagesbedarf individuell sehr variabel (meist 100-500 Ug/d). Die Dosisanpassung erfolgt bei elektronisch gesteuerten Pumpen telemetrisch und bei mit Gasdruck getriebenen Systemen durch Änderung der Lösungskonzentration im Reservoir. (...)

Die Indikationskriterien für Baclofen intrathekal sind (gemäß Zulassung des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte, BfArM):

  • Schwere, mit Standardtherapie nicht beherrschbare, chronische Spastizität bei Multipler Sklerose,
  • nach Verletzungen des Rückenmarks oder zerebraler Genese
  • Therapieresistenz oder nicht tolerable Nebenwirkungen bei oraler Therapie
  • Positives Ansprechen auf einen intrathekalen Probebolus von 50 Ug - in Ausnahmefällen auch höhere Dosis - oder Probeinfusion mit temporärem Katheter oder Port-System über wenige Tage

Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie; 4. überarbeitete Auflage 2008, S. 654 ff, ISBN 978-3-13-132414-6; Georg Thieme Verlag Stuttgart: Therapie des spastischen Syndroms

Spezielle Therapieformen bei Bewegungsstörungen
  • Botulinumtoxinbehandlung bei Dystonien
  • Duodopa-Therapie bei Parkinsonkrankheit

Duodopa

Die kontinuierliche Gabe von Duodopa über eine Bauchsonde wird zur Behandlung des fortgeschrittenen Parkinsonsyndroms angewendet, wenn verfügbare Kombinationen der üblichen Parkinsonmedikamente nicht mehr ausreichend wirksam sind und andere Therapieverfahren (Tiefenhirnstimulation, kontinuierliche Apomorphingabe) nicht in Frage kommen. Voraussetzung ist ein prinzipielles Ansprechen auf eine Gabe von Levodopa. Insbesondere Patienten mit ausgeprägten Schwankungen der Beweglichkeit im Tagesverlauf profitieren von diesem Therapieverfahren. Als Folge der gleichmäßigen Abgabe des Medikamentes in den Zwölffingerdarm bleibt der Blutspiegel des Arzneimittels konstanter und das Risiko von Nebenwirkungen wie zum Beispiel einer plötzlichen Bewegungsstarre oder auch Bewegungsunruhe wird geringer. In einer im Juni 2012 im Rahmen des Parkinsonweltkongresses in Dublin/Irland vorgestellten Zwischenauswertung einer Langzeitstudie zur Beurteilung der Sicherheit, Effektivität und Wirksamkeit (…) konnte eine Verminderung der Phasen schlechter Beweglichkeit (sogenannte off-Phasen) um ca. 65% aufgezeigt werden.

Bei Patienten die aufgrund der Schwere der Symptomatik und der fehlenden Therapieoptionen für dieses Verfahren in Frage kommen erfolgt als erster Schritt die Anlage einer sogenannten Nasensonde, welche jederzeit wieder folgenlos entfernt werden kann, und über die über einige Tage eine Testdosis des Duodopa-Gels verabreicht wird. Sollte es hierunter zu einer deutlichen Beschwerdebesserung kommen, wird mit dem Patienten zusammen entschieden ob eine dauerhafte Magen-/Dünndarmsonde (sog. Bengmark-Sonde) über die Bauchdecke gelegt werden soll. Obwohl das Verfahren sehr aufwendig und teuer ist, wird es von den Krankenkassen erstattet. Wir pflegen aber engen Kontakt zu den weiterbehandelnden ambulanten Neurologen und Nervenärzten um eine nahtlose Weiterbetreuung sicherzustellen.

  • Tiefenhirnstimulation

Patientenselektion zur Tiefenhirnstimulation (DBS)

Die Tiefenhirnstimulation ist ein Verfahren zur Behandlung von Bewegungsstörungen welche nicht mehr oder nicht ausreichend auf eine medikamentöse Behandlung ansprechen. Hierbei werden dünne Elektroden in die Hirnregionen eingebracht, die für das Gleichgewicht von hemmenden und erregenden Bewegungsimpulsen verantwortlich sind. Die Elektroden werden über ein Verbindungskabel mit dem Stimulator (ähnlich wie ein Herzschrittmacher) verbunden welcher über eine Feineinstellung kleinster elektrischer Impulse eine Verbesserung der Bewegungsabläufe erlaubt. Die Operation wird an spezialisierten Zentren durchgeführt. Unsere Klinik arbeitet hier mit universitären Zentren u.a. mit AG Bewegungsstörung der Charite in Berlin (Leitung Frau Prof. Kühn) sowie der Universitätsklinik in Magdeburg zusammen. In einem ersten Schritt stellen wir die Indikation für dieses Verfahren und setzen uns dann mittels Patientenvideos und den Patientendaten mit den weiterbetreuenden Zentren in Verbindung. Sollten die Kollegen die Indikation bestätigen, ist meist noch ein ca. einwöchiger Aufenthalt an der jeweiligen Klinik notwendig, bei dem nochmals intensiv mit dem Patienten die Vor- und Nachteile des Verfahrens erläutert werden und ggf. die weitere OP- Planung besprochen wird.

Erkrankungen die für eine Tiefenhirnstimulation in Frage kommen:

  • Morbus Parkinson u.a. mit Wirkungsschwankungen
  • Dystonien
  • Tremor (essentieller Tremor, Tremor bei Multipler Sklerose, etc.)

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